Owen Meany

Owen Meany und die Frage nach dem großen Plan

Manche Geschichten beginnen leise und entfalten erst nach und nach ihre ganze Wucht – genau so ist es bei Owen Meany von John Irving.

Im Mittelpunkt steht die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Erzähler John Wheelwright und Owen Meany, einem Jungen, der auf den ersten Blick kaum auffallen könnte – wäre da nicht seine außergewöhnlich hohe Stimme und seine unerschütterliche Überzeugung, ein Werkzeug Gottes zu sein. Diese Überzeugung bekommt eine tragische Dimension, als Owen bei einem Baseballspiel versehentlich Johns Mutter tötet. Ein Ereignis, das nicht nur ihr Leben für immer verändert, sondern auch Owens Glauben an eine vorbestimmte Bestimmung weiter festigt.

Die Geschichte spannt sich über mehrere Jahrzehnte und verwebt persönliche Schicksale mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Zeit, insbesondere rund um den Vietnamkrieg. Dabei bleibt Owen stets eine faszinierende Figur: eigenwillig, unbeirrbar und zugleich von einer tiefen Ernsthaftigkeit geprägt, die sich immer wieder mit Momenten feinen Humors verbindet.

Was dieses Buch so besonders macht, ist die Art, wie John Irving große Themen behandelt, ohne sie jemals schwerfällig wirken zu lassen. Es geht um Glauben, Schicksal, Freundschaft und Verlust – aber auch um die Frage, ob unser Leben einem größeren Plan folgt oder ob wir selbst die Bedeutung darin finden müssen.

Persönliche Empfehlung

Dieses Buch ist für mich eines, das man nicht einfach liest und wieder ins Regal stellt. Owen Meany wächst mit jeder Seite, mit jeder Erinnerung daran. Besonders Owen selbst ist eine Figur, die sich festsetzt – ungewöhnlich, manchmal fast entrückt, und doch zutiefst menschlich.

Ich habe selten ein Buch erlebt, das so konsequent auf ein Ende hinarbeitet, das sich gleichzeitig unvermeidlich und vollkommen überraschend anfühlt. Es ist eine dieser Geschichten, bei denen man im Nachhinein erkennt, wie sorgfältig alles aufgebaut wurde.

Wenn du bereit bist für einen Roman, der dich fordert, berührt und noch lange nach dem Lesen begleitet, dann solltest du dich auf diese Reise einlassen. Es lohnt sich – vielleicht mehr, als man anfangs ahnt.

owenmeany

Sumobaer

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar – Antoine de Saint-Exupéry

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