Mit Und täglich grüßt das Murmeltier hat das Kino eine jener seltenen Geschichten hervorgebracht, die gleichzeitig Komödie, Liebesfilm, philosophisches Gedankenspiel und leise Lebenslektion sind. Der Film mit Bill Murray und Andie MacDowell gehört zu den Werken, die man immer wieder anschauen kann – vielleicht gerade deshalb, weil sich darin alles ständig wiederholt.
Im Mittelpunkt steht der zynische Wettermoderator Phil Connors, der widerwillig nach Punxsutawney reist, um über den traditionellen Murmeltiertag zu berichten. Für ihn ist dieser Auftrag reine Provinzfolklore, die er möglichst schnell hinter sich bringen möchte. Doch nach einem Schneesturm sitzt Phil fest – und stellt am nächsten Morgen fest, dass derselbe Tag erneut beginnt. Wieder derselbe Radiosong. Wieder dieselben Menschen. Wieder derselbe 2. Februar.
Was zunächst wie ein seltsamer Zufall wirkt, entwickelt sich zu einem surrealen Albtraum. Phil erlebt denselben Tag immer und immer wieder. Niemand außer ihm erinnert sich daran. Jede Handlung wird am nächsten Morgen zurückgesetzt. Der Film nutzt diese Idee zunächst für grandiose Komik: Phil testet Grenzen aus, manipuliert Menschen, begeht kleine Straftaten oder nutzt sein Wissen über kommende Ereignisse aus. Gerade Bill Murray trägt den Film mit seinem trockenen Humor und seiner perfekten Mischung aus Arroganz, Müdigkeit und unterschwelliger Verzweiflung.
Doch die eigentliche Besonderheit von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ liegt darin, dass der Film weit mehr ist als eine klassische Komödie. Hinter der absurden Ausgangsidee steckt eine erstaunlich tiefgründige Betrachtung über Sinn, Veränderung und die Frage, wie Menschen mit ihrem Leben umgehen. Phil durchläuft im Grunde eine komplette innere Entwicklung: vom egoistischen Zyniker hin zu einem Menschen, der beginnt, sich ehrlich für andere zu interessieren.
Dabei erzählt der Film seine philosophischen Themen erstaunlich leichtfüßig. Viele Zuschauer sehen in ihm Anspielungen auf Buddhismus, Existenzialismus oder sogar spirituelle Läuterung. Der Gedanke, denselben Tag immer wieder zu erleben, wird zu einer Metapher für Routinen und festgefahrene Lebensweisen. Wie oft fühlen sich auch reale Tage gleich an? Wie oft wiederholen Menschen dieselben Fehler? Der Film macht daraus keine schwere Theorie, sondern erzählt all das mit Wärme, Witz und bemerkenswerter Menschlichkeit.
Beeindruckend ist außerdem, wie präzise der Film konstruiert ist. Kleine Begegnungen, nebensächliche Dialoge und scheinbar unbedeutende Situationen gewinnen durch die Wiederholungen immer neue Bedeutung. Viele Szenen leben davon, dass das Publikum bereits weiß, was gleich passieren wird – und dennoch gespannt bleibt, wie Phil diesmal darauf reagiert. Genau dadurch entsteht dieser besondere Rhythmus, der den Film auch nach Jahrzehnten frisch wirken lässt.
Dass der Titel inzwischen zu einem festen Ausdruck geworden ist, zeigt den kulturellen Einfluss des Films. Wenn heute jemand von einem „Murmeltier-Tag“ spricht, versteht fast jeder sofort das Gefühl endloser Wiederholung. Nur wenige Filme haben es geschafft, derart tief in den alltäglichen Sprachgebrauch einzudringen.
Auch visuell besitzt der Film einen ganz eigenen Charme. Die verschneite Kleinstadtatmosphäre, die winterliche Ruhe und die beinahe gemütliche Inszenierung bilden einen reizvollen Kontrast zu Phils innerem Chaos. Gerade diese Mischung aus Kleinstadtidylle und existenzieller Krise macht den Film so unverwechselbar.
„Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist deshalb weit mehr als eine Komödie aus den 1990er-Jahren. Es ist ein Film über zweite Chancen, über persönliche Veränderung und darüber, dass selbst die eintönigste Wiederholung irgendwann einen Sinn bekommen kann. Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser Film auch heute noch funktioniert: Weil er humorvoll daran erinnert, dass sich das Leben manchmal erst dann verändert, wenn man selbst bereit ist, sich zu verändern.