Manchmal stolpert man über eine Serie, von der man vorher kaum etwas gehört hat – und genau so ging es mir mit Lilyhammer. Was zunächst wie eine weitere Gangstergeschichte wirkt, entpuppt sich schnell als etwas ganz Eigenes, fast schon Schrulliges – im besten Sinne.
Im Zentrum steht Frank Tagliano, ein New Yorker Mafioso, der nach einem Verrat an seinen eigenen Leuten ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird. Sein Wunschziel ist ausgerechnet Lillehammer – ein Ort, den er nur aus den Fernsehbildern der Olympischen Winterspiele kennt und der für ihn so etwas wie die perfekte Idylle verkörpert. Doch kaum angekommen, wird klar: Ganz so einfach lässt sich ein Leben nicht hinter sich lassen, schon gar nicht, wenn man es gewohnt ist, Probleme auf eher… unkonventionelle Weise zu lösen.
Was mich an Lilyhammer besonders fasziniert hat, ist dieser ständige Zusammenprall von Welten. Auf der einen Seite Franks direkter, fast schon rücksichtsloser Pragmatismus, auf der anderen Seite die norwegische Gelassenheit, die Bürokratie und diese ganz eigene, ruhige Mentalität. Aus dieser Mischung entsteht ein Humor, der nicht laut ist, sondern oft leise und überraschend daherkommt. Es sind gerade die kleinen Situationen – ein Gespräch mit Behörden, gesellschaftliche Gepflogenheiten oder scheinbar banale Alltagsprobleme –, die hier ihren ganz eigenen Reiz entfalten.
Ein großer Teil des Charmes liegt für mich auch an Steven Van Zandt, der Frank mit einer Mischung aus Coolness und unterschwelliger Ironie spielt. Wer ihn aus The Sopranos kennt, wird hier immer wieder das Gefühl haben, einem vertrauten Charakter zu begegnen – nur eben in einer Umgebung, die so gar nicht dazu passen will. Gerade dieses Augenzwinkern macht die Serie für mich besonders reizvoll.
Hinzu kommt der ständige Wechsel zwischen Englisch und Norwegisch, der die Geschichte noch authentischer wirken lässt. Man merkt förmlich, dass Frank nie ganz ankommt, immer ein bisschen fremd bleibt – und genau das trägt viel zur Atmosphäre bei.
Spannend ist auch, dass Lilyhammer zu den frühen Produktionen von Netflix gehört. Rückblickend wirkt die Serie fast wie ein Vorbote dessen, was Streaming-Serien heute ausmacht: mutiger, internationaler und weniger an klassische Erzählmuster gebunden.
Für mich ist Lilyhammer eine dieser Serien, die man nicht unbedingt wegen großer Spannung oder spektakulärer Wendungen schaut, sondern wegen ihres Tons, ihrer Figuren und dieser ganz besonderen Stimmung. Sie fühlt sich ein bisschen an wie ein Geheimtipp – und genau solche Entdeckungen machen das Serien-Schauen doch oft am schönsten.