Burlesque

Inszenierte Sinnlichkeit: Warum Burlesque mehr erzählt als Striptease

Wenn man das Wort Burlesque hört, entstehen oft sofort Bilder im Kopf – Federboas, funkelnde Kostüme, ein Hauch von Varieté und eine Prise Provokation. Doch Burlesque ist weit mehr als das. Für mich ist es eine Kunstform, die mit Erwartungen spielt, sie bewusst überzeichnet – und dabei eine ganz eigene, fast zeitlose Eleganz entfaltet.

Was Burlesque eigentlich ist

Der Begriff „Burlesque“ hat seine Wurzeln im Theater des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich ging es um Übertreibung, Parodie und das Spiel mit gesellschaftlichen Normen. Diese Idee lebt bis heute weiter: Burlesque ist Inszenierung, Humor, manchmal auch Ironie – und immer ein bewusstes Spiel mit dem Blick des Publikums.

Natürlich gehört auch das Ausziehen dazu. Aber anders als man vielleicht denkt, ist es nicht das Ziel, möglichst schnell möglichst viel Haut zu zeigen. Im Gegenteil: Es geht um das Wie, nicht um das Was. Jede Bewegung, jedes Kleidungsstück, jede Pause ist Teil einer Choreografie.

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Der Unterschied zum Striptease

Hier liegt für mich der entscheidende Unterschied zum klassischen Striptease. Während Striptease oft stärker auf das Ergebnis fokussiert ist – also auf das vollständige Entkleiden – lebt Burlesque von der Inszenierung und der Spannung dazwischen.
Burlesque spielt mit Andeutungen, mit Verzögerung, mit kleinen Überraschungen. Es kann humorvoll sein, verspielt, manchmal sogar augenzwinkernd selbstironisch. Der Körper wird nicht einfach präsentiert, sondern erzählt eine Geschichte.
Man könnte sagen: Striptease zeigt – Burlesque inszeniert.

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Eine moderne Vertreterin: Setty Mois

In Deutschland gibt es eine lebendige Burlesque-Szene, und eine der Künstlerinnen, die mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist Setty Mois.

Was ich an ihr faszinierend finde, ist diese Mischung aus klassischer Ästhetik und moderner Selbstverständlichkeit. Ihre Auftritte wirken nie wie reine Show, sondern eher wie kleine Bühnenstücke – mit Charakter, Haltung und einem klaren Gefühl für Timing.
Sie verkörpert für mich genau das, was Burlesque ausmacht: Selbstbewusstsein ohne Härte, Sinnlichkeit ohne Beliebigkeit und immer ein spürbares Augenzwinkern. Es ist diese Leichtigkeit, die hängen bleibt.

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Mehr als nur ein Auftritt

Was mich persönlich an Burlesque anspricht, ist die Haltung dahinter. Es geht nicht darum, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, sondern darum, sich selbst zu inszenieren – auf die eigene Weise.
Gerade darin liegt eine gewisse Freiheit. Burlesque erlaubt es, mit Rollen zu spielen, sich neu zu erfinden oder einfach eine Facette von sich selbst sichtbar zu machen, die im Alltag vielleicht keinen Platz hat.

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Ein persönlicher Blick

Ich sehe Burlesque heute weniger als etwas Provokantes, sondern eher als etwas Feierliches. Eine Kunstform, die den Körper nicht bewertet, sondern zelebriert. Die nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.
Und vielleicht ist es genau das, was mich daran so fasziniert: Diese Mischung aus Stil, Humor und Selbstbewusstsein. Etwas, das sich nicht festlegen lässt – und gerade deshalb so spannend bleibt.

Wer sich darauf einlässt, entdeckt schnell: Burlesque ist nicht einfach nur eine Show. Es ist ein Spiel mit Erwartungen – und manchmal auch mit den eigenen.

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Bilder:

Model auf allen Fotos: Setty Mois

Titelfoto und Nr.2 (Federn) : Christina Opeldus

Fotos Nr.1 (Gitter) und 4 (Parfum): xiammiax

Foto Nr. 3 (im Spiegel): Gulliver Theis

Foto Nr. 5 (Hocker): Zora Jurenkova

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Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar – Antoine de Saint-Exupéry

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