Der Muttertag gehört zu den Feiertagen, die fast jeder kennt – und die doch überall ein wenig anders gefeiert werden. Für die einen ist es ein Tag voller Blumen, Frühstück am Bett und Familienbesuche. Für andere ist er eher still und nachdenklich. Und obwohl der Muttertag heute oft mit Pralinenwerbung und Blumensträußen verbunden wird, reicht seine Geschichte viel weiter zurück.
Bereits in der Antike gab es Feste zu Ehren von Muttergöttinnen. Im alten Griechenland wurde Rhea verehrt, die Mutter der olympischen Götter. Auch im Römischen Reich existierten Feierlichkeiten, die Fruchtbarkeit und Mutterschaft gewidmet waren. Der moderne Muttertag, wie wir ihn heute kennen, entstand allerdings erst viele Jahrhunderte später.
Seinen Ursprung hat der heutige Muttertag in den USA. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Amerikanerin Anna Jarvis dafür ein, einen offiziellen Ehrentag für Mütter einzuführen. Sie wollte damit die Leistungen und die Fürsorge von Müttern würdigen. 1914 erklärte der damalige US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai offiziell zum Muttertag.
Interessanterweise war Anna Jarvis später selbst eine Kritikerin der Entwicklung des Feiertags. Sie störte sich daran, dass der Muttertag zunehmend kommerzialisiert wurde. Statt persönlicher Gesten standen ihrer Meinung nach irgendwann Blumenverkäufe, Grußkarten und Werbung im Mittelpunkt.
Von den USA aus verbreitete sich der Muttertag schnell in viele Länder der Welt. Deutschland feierte ihn erstmals in den 1920er-Jahren. Hier etablierte sich ebenfalls der zweite Sonntag im Mai als Termin. Heute gehört der Muttertag für viele Familien fest zum Jahreskalender – auch wenn jede Familie ihn anders begeht.
Spannend ist dabei, dass der Muttertag weltweit keineswegs überall am gleichen Tag gefeiert wird. In Deutschland, den USA, Italien oder Japan fällt er meist auf den zweiten Sonntag im Mai. In Großbritannien dagegen gibt es den sogenannten „Mothering Sunday“, der bereits in der Fastenzeit stattfindet und damit oft deutlich früher liegt. In Frankreich wird der Muttertag gewöhnlich Ende Mai gefeiert, manchmal sogar erst im Juni, falls das Datum mit Pfingsten kollidiert.
Auch andere Länder haben ihre ganz eigenen Traditionen. In Thailand wird der Muttertag am 12. August gefeiert – dem Geburtstag der ehemaligen Königin Sirikit. In Äthiopien wiederum ist der Muttertag Teil eines mehrtägigen Familienfestes nach der Regenzeit. Und in Mexiko findet der Muttertag jedes Jahr fest am 10. Mai statt, unabhängig vom Wochentag.
Gerade diese Unterschiede machen den Muttertag interessant. Obwohl die Traditionen variieren, bleibt die Idee dahinter erstaunlich ähnlich: einen Moment innezuhalten und den Menschen zu danken, die oft über Jahre hinweg Fürsorge, Geduld und Unterstützung schenken.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke dieses Tages. Nicht in Geschenken oder perfekt geplanten Feiern, sondern in kleinen Gesten. Ein Anruf. Ein gemeinsamer Kaffee. Ein handgeschriebener Satz. Dinge, die im Alltag leicht untergehen und gerade deshalb Bedeutung bekommen.
Der Muttertag ist damit weit mehr als ein Datum im Kalender. Er erzählt auch etwas darüber, wie verschiedene Kulturen Familie, Nähe und Dankbarkeit verstehen – und wie universell der Wunsch ist, einem wichtigen Menschen einfach einmal „Danke“ zu sagen.