Manche Serien schauen wir – und manche erwischen uns auf dem falschen Fuß. Fleabag gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie. Ich habe sie angefangen ohne große Erwartungen – und plötzlich saß ich da, habe gelacht, gezuckt, geschluckt… und mich auf eine unangenehme Weise verstanden gefühlt.
Zwischen Witz und Wunde
Im Mittelpunkt steht eine namenlose junge Frau in London, die wir nur als „Fleabag“ kennen. Sie betreibt ein kleines, eher schlecht laufendes Café, hat komplizierte Beziehungen zu ihrer Familie und hangelt sich von einer Begegnung zur nächsten – oft impulsiv, oft selbstzerstörerisch.
Was die Serie so besonders macht: Fleabag spricht direkt mit uns. Sie durchbricht ständig die vierte Wand, kommentiert ihr eigenes Leben, ihre Entscheidungen, ihre Gedanken. Anfangs wirkt das unglaublich witzig, fast wie ein geheimer Pakt zwischen ihr und uns. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr merkt man: Diese Kommentare sind nicht nur Humor – sie sind ein Schutzschild.
Nach und nach entfaltet sich hinter all dem Sarkasmus eine tiefere Geschichte über Verlust, Schuld und Einsamkeit. Besonders die Beziehung zu ihrer verstorbenen besten Freundin und die komplizierte Dynamik in ihrer Familie geben der Serie eine emotionale Wucht, die einen völlig unvorbereitet trifft.
Humor, der wehtut – und genau deshalb wirkt
Phoebe Waller-Bridge, die nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern die Serie auch geschrieben hat, schafft etwas, das ich selten so erlebt habe: Humor, der nicht von den Schmerzen ablenkt, sondern sie erst sichtbar macht.
Man lacht – oft laut. Und im nächsten Moment bleibt einem dieses Lachen im Hals stecken. Die Serie ist schonungslos ehrlich, manchmal fast unangenehm direkt. Sie zeigt eine Figur, die Fehler macht, sich selbst sabotiert und trotzdem irgendwie weitermacht.
Und genau darin liegt ihre Stärke: Fleabag ist nicht unbedingt sympathisch im klassischen Sinne. Aber sie ist echt.
Eine sehr persönliche Erfahrung
Ich habe mich beim Schauen immer wieder dabei ertappt, wie ich dachte: Das darf sie doch jetzt nicht sagen. Und gleichzeitig: Genau das denke ich manchmal auch.
Diese Serie hält einem keinen Spiegel vor, der schmeichelt. Es ist eher einer, der ein bisschen zu klar ist. Und gerade deshalb bleibt sie hängen.
Fleabag ist keine Serie, die man nebenbei schaut. Sie fordert Aufmerksamkeit – und ein bisschen Mut, sich auf diese Mischung aus Leichtigkeit und Abgrund einzulassen.
Warum sie bleibt
Am Ende ist Fleabag für mich eine Serie über das Menschsein in all seinen Widersprüchen. Über die Dinge, die wir uns nicht eingestehen wollen. Über Nähe, die wir suchen – und gleichzeitig fürchten.
Und vielleicht ist es genau das, was sie so besonders macht: Sie ist laut und leise zugleich, witzig und traurig, leicht und schwer. Und irgendwo dazwischen trifft sie einen Punkt, den man nicht so schnell wieder vergisst.