Al Jarreau

Al Jarreau – Eine Stimme, die mich nie losgelassen hat

Es gibt Künstler, die man nicht einfach nur hört – man begegnet ihnen. Für mich gehört Al Jarreau genau in diese Kategorie. Seine Stimme klang nie wie die eines klassischen Sängers. Sie war eher ein eigenes Instrument: wandelbar, verspielt, warm, manchmal fast akrobatisch. Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass hier jemand singt, der Musik nicht nur interpretiert, sondern lebt.

Persönliche Daten – der Mensch hinter der Stimme

Alwyn Lopez Jarreau wurde am 12. März 1940 in Milwaukee, Wisconsin, geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater war Pfarrer, seine Mutter Pianistin – Musik gehörte also von Anfang an zu seinem Alltag. Schon als Kind sang er Soli in der Kirche. Vielleicht erklärt das diese besondere Mischung aus Spiritualität, Wärme und Freude, die man in seiner Stimme immer wieder hört.

Bemerkenswert finde ich, dass Jarreau zunächst einen ganz anderen Weg einschlug. Er studierte Psychologie, machte sogar einen Masterabschluss und arbeitete als Rehabilitationsberater. Musik war lange Zeit eher Leidenschaft als Beruf. Rückblickend wirkt das fast sinnbildlich: Jemand, der sich beruflich mit Menschen beschäftigte, fand schließlich im Gesang seine tiefste Form des Ausdrucks.

Al Jarreau starb am 12. Februar 2017 in Los Angeles, nur wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag. Mit ihm ging nicht nur ein großer Sänger, sondern ein echtes Original.

Der Weg zur Musik – spät, aber konsequent

Was ich besonders inspirierend an Al Jarreaus Geschichte finde: Sein Durchbruch kam vergleichsweise spät. Erst in seinen Dreißigern entschied er sich endgültig für die Musik. In den Jazzclubs von San Francisco sammelte er Bühnenerfahrung, experimentierte mit Stimme und Rhythmus und entwickelte Schritt für Schritt seinen unverwechselbaren Stil.

Als er Mitte der 1970er‑Jahre sein erstes Album veröffentlichte, war er kein unbeschriebenes Blatt mehr, sondern ein gereifter Künstler mit klarer Vorstellung davon, wer er sein wollte. Diese Reife hört man seinen frühen Aufnahmen deutlich an.

Stil & Ausdruck – warum Al Jarreau einzigartig war

Al Jarreau lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Jazz, Soul, Pop, Funk, R&B – all das war Teil seiner musikalischen Welt. Besonders faszinierend war sein Scat‑Gesang: Er imitierte Instrumente, baute komplexe Rhythmen, spielte mit Silben, Atem und Timing. Manchmal klang es, als würde eine ganze Band aus seiner Kehle kommen.

Was mich immer wieder berührt, ist seine Leichtigkeit. Selbst bei technisch anspruchsvollsten Passagen wirkt nichts angestrengt. Jarreau hatte diese seltene Fähigkeit, musikalische Virtuosität mit emotionaler Nähe zu verbinden. Seine Songs fühlen sich oft an wie ein Gespräch – persönlich, direkt, ehrlich.

Erfolge und Höhepunkte

Der große kommerzielle Durchbruch kam 1981 mit dem Album „Breakin’ Away“. Songs wie „We’re in This Love Together“ machten ihn weltweit bekannt. Gleichzeitig blieb er im Jazz verwurzelt und gewann Grammy Awards in drei verschiedenen Kategorien – Jazz, Pop und R&B. Das hat vor ihm niemand geschafft.

Auch abseits der Charts war er präsent: Viele kennen seine Stimme aus dem Titelsong der TV‑Serie „Moonlighting“. Selbst dort blieb er unverkennbar Al Jarreau.

Diskographie – eine Reise durch vier Jahrzehnte

Seine Alben erzählen die Geschichte eines Künstlers, der sich immer weiterentwickelt hat, ohne sich selbst zu verlieren:

We Got By (1975)

Glow (1976)

Look to the Rainbow (Live, 1977)

All Fly Home (1978)

This Time (1980)

Breakin’ Away (1981)

Jarreau (1983)

High Crime (1984)

Live in London (1985)

L Is for Lover (1986)

Heart’s Horizon (1988)

Heaven and Earth (1992)

Tenderness (1994)

Tomorrow Today (2000)

All I Got (2002)

Accentuate the Positive (2004)

Givin’ It Up (mit George Benson, 2006)

Love Songs (2008)

My Old Friend (2014)

Warum Al Jarreau bleibt

Al Jarreau war kein Künstler für den schnellen Effekt. Seine Musik entfaltet sich oft erst richtig, wenn man ihr Zeit gibt. Für mich ist genau das seine größte Stärke. Er erinnert daran, dass Stimme mehr sein kann als Gesang – nämlich Ausdruck von Persönlichkeit, Humor, Gefühl und Freiheit.

Auch Jahre nach seinem Tod klingt seine Musik erstaunlich zeitlos. Vielleicht, weil sie nie einem Trend hinterherlief, sondern immer aus einem inneren Bedürfnis heraus entstand. Und genau deshalb kehre ich immer wieder zu ihr zurück.

Sumobaer

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar – Antoine de Saint-Exupéry

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