Wenn von elegantem, melodischem Jazzgitarrenspiel die Rede ist, fällt früher oder später der Name Lee Ritenour. Seit den 1970er-Jahren gehört er zu den prägenden Gitarristen des Smooth Jazz und Fusion Jazz – ein Musiker, dessen Spiel nie laut oder aufdringlich wirken musste, um Eindruck zu hinterlassen. Stattdessen entwickelte Ritenour einen Stil, der von technischer Perfektion, stilistischer Offenheit und bemerkenswerter Leichtigkeit lebt.
Geboren wurde Lee Ritenour 1952 in Los Angeles, einer Stadt, die seine musikalische Entwicklung stark prägen sollte. Bereits als Jugendlicher beschäftigte er sich intensiv mit Jazz, Rock und brasilianischer Musik. Besonders Gitarristen wie Wes Montgomery, Joe Pass und George Benson beeinflussten ihn früh. Schon mit Anfang zwanzig galt Ritenour in der Studioszene von Los Angeles als gefragter Musiker und spielte für zahlreiche Künstler Gitarrenparts ein – oft mehrere Sessions am selben Tag.
Gerade diese Studioarbeit machte ihn schnell bekannt. In den 1970er- und 1980er-Jahren war Lee Ritenour praktisch überall zu hören: auf Jazz-, Pop-, Funk- und Fusion-Alben. Er arbeitete unter anderem mit Größen wie Herbie Hancock, Steely Dan, Quincy Jones und Dave Grusin zusammen. Gleichzeitig veröffentlichte er eigene Soloalben, die seinen Namen endgültig international etablierten.
Die Musik von Lee Ritenour zeichnet sich vor allem durch ihre Geschmeidigkeit aus. Sein Gitarrenton wirkt warm, klar und beinahe mühelos. Anders als viele Fusion-Gitarristen setzte er selten auf übertriebene Virtuosität oder spektakuläre Soli. Stattdessen lebt seine Musik von Groove, Harmonie und Atmosphäre. Funk, brasilianische Rhythmen, Popmelodien und klassischer Jazz verschmelzen bei ihm zu einem Sound, der entspannt wirkt, dabei aber musikalisch äußerst raffiniert bleibt.
Besonders typisch für Ritenour ist seine Fähigkeit, technische Präzision mit emotionaler Zugänglichkeit zu verbinden. Seine Stücke besitzen oft einen sonnigen, fast cineastischen Charakter – Musik für nächtliche Autofahrten, Großstadtlichter oder ruhige Sommerabende. Gerade deshalb wurde er zu einer wichtigen Figur des sogenannten Westcoast- oder Smooth Jazz, ohne jemals völlig vorhersehbar zu klingen.
Ein bedeutendes Kapitel seiner Karriere war außerdem die Mitbegründung der Gruppe Fourplay Anfang der 1990er-Jahre. Gemeinsam mit Musikern wie Bob James entstand dort ein besonders eleganter und entspannter Jazzsound, der weltweit große Erfolge feierte.
Was Lee Ritenour bis heute so besonders macht, ist seine Vielseitigkeit. Er bewegt sich mühelos zwischen Jazz, Fusion, Latin, Funk und Pop, ohne dabei jemals seine eigene Handschrift zu verlieren. Seine Musik drängt sich nie auf – und genau darin liegt ihre Stärke. Sie schafft Atmosphäre, bleibt melodisch und zeigt, dass große musikalische Kunst manchmal ganz selbstverständlich wirken kann.